Gartenvögel in Bedrängnis

Seit kurzem liegen die Ergebnisse der Wintervogelzählung des NABU vor und sie sind alarmierend. Deutschlandweit sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 20% eingebrochen. Dies mag verschiedene Gründe haben. So kann es sein, dass sich bei der relativ milden Witterung viele Waldvögel gar nicht zu den Futterstellen begeben, weil sie in ihrer natürlichen Umgebung noch genug zu fressen finden. Doch das erklärt nicht den hohen Prozentsatz des Rückgangs. Hierfür muss es noch andere Ursachen geben. So ist zu befürchten, dass sich der Rückgang der Insekten mittlerweile auch auf die Vogelpopulation auswirkt, denn während der Aufzuchtphase des Nachwuchses benötigen die Nestlinge Proteine, so wie sie in Raupen und Kleininsekten vorhanden sind. Fehlen diese, dann können die Jungen nicht flügge werden.

Wir haben uns die Mühe gemacht, nachzurechnen wie die Entwicklung im Wetteraukreis in den letzten Jahren war, denn dies ist relevant auch für Geiss-Nidda. So wurden in diesem Jahr 32 Vögel pro Garten gemeldet, im Jahr davor waren es 35 Vögel und im Jahr 2020 waren es sogar 37 Vögel, jeweils durchschnittlich auf alle gemeldeten Gärten gerechnet.

Was also können wir hier in Geiss-Nidda tun, um die verhängnisvolle Entwicklung zu stoppen oder sogar umzukehren. Als Gartenbesitzer können wir eine Menge tun, indem wir unsere Gärten so gestalten, dass sie als Lebensraum für Vögel dienen können. Das oberste Gebot hierbei ist der Verzicht auf Gift im Garten. Insektizide töten, dazu sind sie da. Sie vernichten Insekten und entziehen damit den Vögeln die Lebensgrundlage. Wenn man den Garten insektizidfrei gestaltet und pflegt, ist damit schon eine Menge gewonnen. Wer weitergehen möchte, sollte den eigenen Garten Insekten freundlich gestalten bzw. umgestalten. Viele Blütenpflanzen, und zwar nicht die hochgezüchteten mit den gefüllten Blüten, sondern diejenigen, die aus einheimischen Blütenpflanzen gewonnen wurden. In meinem Garten wachsen mehrere Wolfsmilchgewächse, ungefüllte Tagetes, Margeriten aber auch Lavendel, Katzenminze und Salbei. Sie alle werden gern von Wildbienen, Florfliegen und Marienkäfern besucht, um nur einige zu nennen. Die Frühblüher sind besonders wichtig, um den Insekten Anfang des Jahres die notwendige Starthilfe zu geben. Hier wären zu nennen, frühe botanische Krokusse, Traubenhyazinthen, Kornelkirschen und einfache Gartenprimeln. Erdhummel, Frühlings-Pelzbiene und Gehörnte Mauerbienen werden die frühen Blüten dankbar annehmen.

Des weiteren können wir die Vögel unterstützen, indem wir ihnen Nistmöglichkeiten in den Gärten schaffen. In jedem Garten gibt es die Möglichkeit mehrere Nistkästen aufzuhängen. Es ist darauf zu achten, dass diese möglichst Richtung Osten – aufgehende Sonne – ausgerichtet sein sollten, denn von Westen kommt in der Regel der Regen und der starke Wind. Die Kästen müssen hoch genug aufgehängt werden, damit Katze, Marder und Waschbär sie nicht plündern können. Außerdem ist es gut, wenn das Einflugloch durch einen Vorbau geschützt ist. Mittlerweile gibt es solche Bruthilfen bereits fertig zu kaufen oder man steckt einen Drahtschutz vor das Einflugloch, so dass zwar das Brutpaar hinein kann aber der lange Arm des Waschbären die Nestlinge nicht erreicht. Und zu guter Letzt ein Apell an die alle KatzenbesitzerInnen in Geiss-Nidda. Bitte lassen Sie in der Zeit, in der die Jungvögel ausfliegen – Mitte Mai bis Mitte Juni – Ihre geliebten Haustiere zwischen 6 und 9 Uhr in der Früh im Hause, sonst kann der erste Flug der kleinen Meise auch ihr letzter sein.

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